Geschmückter Weihnachtsbaum

Weihnachten oder: Halt die Welt an, ich steige aus!

Es war also wieder soweit. Ich hatte Gott sei Dank Urlaub bekommen zwischen den Jahren und um Weihnachten herum. So konnte ich den anfallenden Stress etwas besser verteilen.

Warum ich mir so einen Stress mache, wo ich doch immer mit meinem Gatten alleine feiere?

Genau DAS ist es. Genau das!

Nachdem ich ihn am Weihnachtsmorgen endlich aus dem Bett hatte, ging der Terz schon los. Er gammelte rum während mir schon die Schweißperlen auf der Stirn standen. Der Baum musste geschmückt werden, Kartoffelsalat wollte zubereitet sein, Kuchen musste gebacken werden und Männe genoss das Frühstück ungewöhnlich lange, so als wollte er mich ärgern. Zum Glück waren wir am Tag zuvor schon einkaufen gewesen, so dass wir Heilig Abend nicht auch noch raus mussten.

Als ich meinen Gatten endlich gewaschen und gestriegelt aus dem Bad wieder hatte, wollten wir uns endlich um den Baum kümmern. Der war auch recht flugs aufgestellt. Die Lichterkette war immer mein Job. Eine ehrenvolle Aufgabe und höchst wichtig, wie ich finde. Also nahm ich mir dafür auch immer genügend Zeit. Wie schnell ist der schönste Baum verhunzt, wenn man die Lichter falsch steckt. Außerdem ist es eine Kunst, die Kerzen so zu setzen, dass man die Kabel nicht sieht. Ich habe das voll drauf! Und jedes Jahr zog sich mein Gatte in dieser Zeit in einen Winkel zurück und wartete, bis ich fertig war. Aber, nicht dieses Jahr!

Wie ein dienstbarer Geist mit dem Namen Rumpelstilzchen hopste er um mich herum, um mir hier und da zur Hand zu gehen. Völlig unnötig, da ich wirklich Lichterkettenmäßig alles im Griff hatte. Und so kam es, wie es kommen musste: Rumpelstilzchen latschte auf eine der Kerzen und die Birne darin zerbrach knirschend.

Was für ein Malheur! Jeder, wirklich JEDER weiß, dass nun eine so malträtierte Lichterkette ihrem Namen keine Ehre mehr macht. Sie „lichtert“ nämlich nicht mehr! Hätte ich nicht Minuten vorher noch gewarnt, dass die (abgezählten) Kerzen links und rechts vom Baum herab auf der Erde lagen, wartend auf die geometrisch sinnige Verteilung, dann hätte ich wahrscheinlich gedacht: Kismet! Aber ich hatte ihn gewarnt. Ich hatte ihn gewarnt! Nun konnte ich nur seufzend die bereits festgesteckten Kerzen wieder vom Baum nehmen, während mein Gatte mit schuldbewusster Mine in einem Karton nach Ersatzbirnen kramte.

Ein Weihnachtsbaum ohne Lichter? Man stelle sich das nur vor! In Gedanken ging ich schon alle Schubladen meines Haushaltes durch, in denen ich vielleicht noch Wachskerzen finden konnte. Irgendwie hätte ich die dann schon befestigt. Männe fummelte inzwischen die defekte Birne aus der Fassung und versuchte die von ihm gefundenen Ersatzlämpchen, die jedoch sofort nach kurzem Aufleuchten ihr Leben aushauchten. Durchgebrannt. Fein gemacht!

Ja, – und auch mein gedanklicher Exkurs, was die Beschaffung von Wachskerzen anging, war ebenfalls erfolglos. Wer hatte schon noch Baumkerzen im Vorrat? Also ich nicht.

Aber ein Baum ganz ohne Beleuchtung ist wie Weihnachten ohne Geschenke. Ich war schon drauf und dran, den Baum einfach wieder nach draußen zu verfrachten, als ich einen göttlichen Einfall hatte.

Da war doch mal – ich verschwand bis zu den Hüften in unserem Weihnachtsdekorationskarton und ich fand sie: fünf Minilichterketten mit bunten Lämpchen. Allerdings recht kurz und zwischendrin fehlten auch schon einige Birnchen. Aber sie funktionierten noch! Nun, immerhin hatten wir Licht!

Mein Ehrgeiz war jetzt natürlich angestachelt. Und ich hatte es doch tatsächlich geschafft, die fünf Minilichterketten auf unserem Baum zu drapieren.

Wer diese Art von Lichterketten kennt, weiß auch, dass sie einiges an Gewicht haben. Da ich manchen Ast doppelt ansteuern musste, mal mit einer defekten und mal mit einer funktionierenden Minibirne, und die Kabel ziemlich straff waren, sah unser Bäumchen leider etwas traurig aus. Will sagen: er hing durch. Ich wartete gespannt darauf, wann die ersten Kugeln von den Hängeästen herunter rutschten.

Ansonsten versprach es ein ruhiges, friedliches Weihnachtsfest zu werden.


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