Schuhe im Schuhregal

In allen Ecken und Nischen steh’n Schuhe,
in Reih und Glied hinter jeder Tür.
Ordnungsliebend verlässt mich die Ruhe:
Ich brauch einen Schrank, und zwar schnellstens, dafür.

Es war ja noch früh an diesem Tage,
ich hatte die Zeit und den nötigen Mut.
Auf ging’s, zum Schweden, da gibt’s – ohne Frage –
das passende Schränkchen, billig und gut.

Bald drauf sah man mich durch die Gänge traben,
mit Zollstock und prüfendem Kennerblick.
Da stand er! Der war es! Den wollte ich haben!
Vor dem Selbstaufbau schreckte ich auch nicht zurück.

Nach einer Stunde hatt‘ ich meine Beute
zu Hause schon fachgerecht ausgepackt.
Es fehlte im Karton nur, liebe Leute,
der Plan, der über den Aufbau was sagt.

Ich suchte ein wenig, doch dann frischen Mutes
dacht ich mir: „Was solls! Das krieg ich auch hin.
Und es hat“, – so dacht ich – „ja auch etwas Gutes.
Jetzt kann ich beweisen, wie clever ich bin.“

Da lagen die Böden und Seitenteile,
der Sockel, die Schrauben und mitten drin
saß ich. Nein wirklich, ich hatt‘ keine Eile.
Sondierte erst preußisch: Was kommt wo hin.

Nun ging es ans Schrauben. Die wollten nicht passen!
Das Bohrloch vergrößert: Schwups tauchten sie ein.
Doch irgendwie wollten die Dinger nicht fassen.
Mein Blick fiel sofort auf das Tütchen mit Leim.

Geschraubt, geklebt, das ist doch nicht wichtig.
Die erste Panik war ganz schnell vorbei.
Jetzt klebte ich eben, und das auch noch richtig.
Die Stunden vergingen, es war schon gleich Drei.

Das Schränkchen war fertig, fehlten nur noch die Klappen.
In der Küche sah’s aus wie nach ’ner Explosion!
Ich hatte kein Leim mehr um die Klappen zu pappen.
„Dann kommt ein Stück Stoff vor. Was macht das schon!“

Nun stand es, mein Schränkchen, und ich stolz wie Kalle,
führte gleich die Befüllung mit Schuhen aus.
Sie passten hinein, und zwar ausnahmslos alle!
Ich jubelte laut, der Stolz musste raus.

Ich vermute, ich hab mich zu laut gefreut.
Auf einmal tat es einen schrecklichen Krach.
Die Rückwand schwankte, es gab – voll befreit –
eine Seitenwand unter den Schallwellen nach.

Das Holz hab ich später, ziemlich verbittert,
so heimlich, verschämt und unter der Hand
an meinen Kachelofen verfüttert.
Dort ist es in lustigen Funken verbrannt.

Und die Moral von der Geschicht,
sollte es denn eine geben:
Holzleim statt Schrauben hält eben nicht,
und nicht alles lässt sich kleben!


Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Kommentar abschicken