Dankbar sein

So langsam neigt sich die Arbeit an „Ghoromari – Das Vermächtnis“, also dem zweiten Band, dem Ende entgegen. Ardwenjo und Majihari (und ich selbst auch!) hatten wieder einige Abenteuer zu überstehen und finden jetzt langsam wieder in die Ruhe zurück. Vielleicht die Ruhe vor dem Sturm? Ich will nichts verraten.
Eine Passage allerdings möchte ich Ihnen jetzt schon offenbaren. Als Leseprobe, sozusagen. In dem Gesprächsausschnitt geht es um Dankbarkeit. Aber lesen Sie selbst:

»Weißt du, Gedanken und Worte sind mächtige Waffen. Schlechte Gedanken und negative Reden über dich selbst führen letztendlich dazu, dass dein Energielevel sinkt. Du redest dich selbst krank, schlecht oder arm. Genauso kannst du dich aber auch gesund, reich und glücklich denken und reden. Es liegt immer ganz allein an dir selbst. Der Schlüssel zu allem, was dich gut fühlen lässt, ist unter Anderem auch Dankbarkeit.«
»Dankbarkeit?«, fragte ich Arjo ungläubig.
»Ja! Es ist so einfach. Dankbar zu sein erhöht deinen Energielevel um ein beträchtliches Maß denn es erzeugt ein Wohlgefühl in dir, habe ich nicht recht? Wenn du Grund dazu hast, dankbar zu sein, hast du etwas Wundervolles erlebt, öffnest dein Herz und fühlst Freude.«
Ich dachte darüber nach, wann ich das letzte Mal wirklich dankbar war für irgendetwas, was ich erlebt hatte. Es war erst vor wenigen Minuten der Fall gewesen. Es war der Moment, als mir klar geworden war, wie wenig doch gefehlt hatte, dass ich all das jetzt nicht hätte erleben können. Nie mehr! Und ich spürte es wieder, dieses freudige Gefühl der Dankbarkeit. Es wärmte mich, machte mich lächeln und ich verstand, was Arjo mir erklärt hatte.
»Es gibt immer einen Grund, dankbar zu sein. Sei es für das Brot, das dich sättigt, für die Ruhe in der Natur oder das Wasser, das wir nicht kilometerweit heranschaffen müssen. Für ein Dach über dem Kopf oder Freunde, die dich lieben, genau so, wie du eben bist. Ein Gleichnis hierzu: In dem Moment, in dem du anfängst, negativ zu denken und alles in Frage zu stellen, haderst du vielleicht und nur zum Beispiel mit dem Umstand, dass du dein Trinkwasser aus zwei Kilometer Entfernung heranschaffen musst. Du zeterst und schimpfst auf dem ganzen Weg. Doch all dein Schimpfen verkürzt nicht die Strecke, die du gehen musst. Im Gegenteil: Je mehr du schimpfst, umso steiniger und länger erscheint dir der Weg. Und du schimpfst immer weiter, weil du ja weißt, dass du denselben Weg mit der Last des Wassers wieder zurückgehen musst.«
Oh, das konnte ich mir nur zu gut vorstellen!
»Nun stell dir vor, dir kommt jemand entgegen und dieser Mensch strahlt und lächelt über das ganze Gesicht und geht selbst unter der Last der zwei großen Kanister, die er bei sich trägt, freudig und leicht seinen Weg«, fuhr Arjo fort. »Du fragst ihn, wie er beim Wasserschleppen auch noch so glücklich sein kann. Was denkst du, wäre seine Antwort, was ihn so fröhlich sein lässt?« Arjo sah mich fragend und aufmerksam an.
»Vielleicht würde der Andere antworten, dass er sich über reines und gutes Wasser einfach freut. Oder -«, ich stockte.
»Oder?«
»Er freut sich einfach über die zwei großen Kanister, die er besitzt und mit denen er so viel Wasser auf einem Weg transportieren kann, wie er und seine Familie einen Tag lang brauchen. Auf einen Rutsch!«
Arjo nickte lächelnd.
»Beides wäre möglich. Könntest du diese Freude jetzt nachempfinden?«, fragte er.
»Das könnte ich«, antwortete ich ehrlich.
»Auch die Dankbarkeit?«
»Auch diese!«
»Und wie fühlt es sich an?«
»Wunderbar warm in meiner Körpermitte.«
»Hast du selbst Gründe, dankbar zu sein?«
»Ohne Ende, Arjo. Ohne Ende!«
»Dann sei es und stärke somit dich selbst. Du musst nicht bei jeder Scheibe Brot oder bei jedem guten Erlebnis in Dankbarkeitshymnen ausbrechen, aber erinnere dich an das Gleichnis mit dem Wasserträger, wenn du dich schlecht fühlst. Suche dann in deinem Umfeld Gründe dafür, dankbar zu sein, und seien sie noch so banal und winzig. Ich verspreche dir, du wirst immer einen finden«.

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