Altersarmut

Im Moment fällt es mir wirklich schwer, mich auf die Arbeit und das Wesentliche zu konzentrieren. Normalerweise bereite ich mich gerade zu dieser Jahreszeit auf Weihnachten vor und empfinde dabei eine tiefe Wärme und Zuversicht. Irgendwie mag mir das aber dieses Jahr nicht gelingen. Klar, es sind noch nicht überall die Fenster dekoriert. Auch die stimmungsvolle Beleuchtung über manchen Straßen fehlt noch. Aber es ist mir so, als wollte ich dies alles in diesem Jahr nicht sehen. Ich bin traurig.

Traurig, wenn ich alte Leute sehe, wie sie ihre wenigen Einkäufe langsam und mühsam gehend nach Hause tragen. Dann frage ich im Stillen diese Person, die gebeugt an mir vorübergeht und sich nicht einmal traut, mich anzusehen: „Wartet da jemand zu Hause auf dich?“ Und ich hoffe so sehr, dass es tatsächlich so ist. Ich hoffe es so sehr! Doch der Anblick dieses alten Menschen lässt mich erahnen, dass es die Einsamkeit ist, die ihn oder sie so herniederdrückt.

Sie haben doch ein Leben verdient, das sie nicht an den Schultern nach unten zieht. Sie haben es verdient, zu lachen und geliebt zu werden. Ich möchte sie in den Arm nehmen, Hoffnung schenken und ein Lächeln in ihr trauriges Gesicht zaubern, doch ich darf nicht. Es tut so weh. Der Gedanke, dass möglicherweise viele von ihnen auch an Heilig Abend alleine sein werden, ist beinahe unerträglich für mich.

Liegt es daran, dass auch ich mich langsam diesem Zenit nähere oder an der Jahreszeit? Nein. Sicher nicht. Dieses Gefühl der Traurigkeit hatte ich das ganze Jahr über. Ich frage mich: Geht es nur mir so?


Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Kommentar abschicken